Chewie und das Schweinderl: eine ziemlich komisch Geschichte

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Octodon
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Chewie und das Schweinderl: eine ziemlich komisch Geschichte

Neues aus der Reihe "skurrille Degu-Charaktere", frei nach dem Motto "just when you thought you've seen it all". :sweat_smile:

1. Teil: Manchmal ist es schon komisch, auf welchem Weg sie zu dir kommen....

Rückblende September 2024. Der immer wieder aufploppende irrationale Gedanke eines Hundes an meiner Seite trieb mich den einen Samstag Nachmittag ins Tierheim, wo ich zuvor ein Date mit einem lustigen Mischlingsrüden zum ersten unverbindlichen Kennenlernen vereinbart hatte.Zeitgleich mit mir steuerte ein junges Paar den Eingang an, und wir stießen en fast zusammen. Die junge Frau hielt eine Transportbox in den Händen, während ihr Partner mit allerlei anderem Zubehör bepackt war. Dem Zubehör nach zu urteilen irgendwas mit nem Nager, ich tippte auf Meerschweinchen oder so, hielt dem bepackten Duo die Tür auf, der Rest war mir egal, weil ich dringend aufs Klo mußte :lol: Dort wurde ich dann aber zwangsläufig Zeugin des Gesprächs am Empfang: ...murmel.... murmel.... Telefonat.... murmel....Degu.... murmel...Abgabevertrag..... - What?! ~0 Ich schreckte von der Schüssel hoch und stieß mir in der unfassbar engen Klo-Zelle fast den Kopf an einem Regal, zog mir umständlich die Hose hoch, drehte in der Eile den Wasserhahn bis zum Anschlag auf und gönnte mir damit nebenbei noch eine erfrischende Dusche. Sodann riss ich hektisch die Klotür auf und rief:

"Did somebody say Lieferando ?"





Nein. Das hab ich natürlich nicht gesagt. Das war nur für den Gag.

Ich sprach die junge Frau auf gewöhnliche Weise an, damit sie zumindest nicht sofort merkte, dass sie es mit einer Irren zu tun hat und erfuhr, dass in diesem Kistchen eine Single-Degudame ins Tierheim ziehen sollte. Zu dieser Zeit hatte ich ja noch meine intakte und gut funktionierende Dreiergruppe mit Oni, Rumpel und Violet. Sicherlich hatte ich ein paar Mal darüber nachgedacht, hier ein weiteres Tier hinzuzuvergesellschaften, aber ich dachte da in erster Linie an einen Kastraten - und genauso oft wie ich daran dachte, verwarf ich diesen Gedanken aber wieder.

Und eigentlich hatte ich auch gar keinen Bock auf mehr als drei Degus. Aber es nützt ja nix. Was soll ich denn machen?!

Ich bat die beiden, kurz zu warten, während ich dem Hund Hallo sagte (die erste Begegnung lief ganz okay, aber ein kleiner Spoiler: mit ihm ist es trotzdem nix geworden. Dating ist halt so ne Sache mittlerweile...), dann besprachen wir die Grundsätzlichkeiten und ich ... wollte nur einen Hund sehen und kam mit einem Überraschungsdegu wieder heim.

Als ich zu Hause das Kistchen öffnete, erblickte ich ein halbes Meerschwein. Sowohl von der Farbgebung - eine Agouti-Starkschecke mit der unvermeidlichen Blesse - als auch von der Statur. Das zierliche Tierchen, ursprünglich auf den Namen "Coco" getauft (ihre verstorbene Schwester hieß naheliegenderweise "Channel" [sic!] *verrückt* ), saß sauertöpfisch dreiblickend in dieser Kiste und ich wußte: OH YES! DAS ist der Beginn einer wunderbaren Freundschaft....

Als ich Coco aus der Box hob, hatte ich das Gefühl, einen Teigfladen in der Hand zu halten. Sie wog gefühlte 350 g und hatte nicht mal vielleicht Ansätze von Muskulatur. Oh my.

Von Bobby hatte ich noch den zweistöckigen Meerschweinchenkäfig, den ich damals für die VG mit Dick während meines Aufenthalts im Exil nutzte, und ich dachte: Hey, das passt ja alles prima (wegen Meerschweinchen und so, ne? ;) ). Den also flugs aufgebaut und mich währenddessen wieder daran erinnert, warum ich dieses Ding so hasste und eigentlich gar nicht mehr aufbauen wollte. Aber es nützt ja nichts, was soll ich denn machen?!

Das zarte Geschöpf ließ alles mehr oder minder passiv-aggressiv über sich ergehen und saß am sprichwörtlichen Ende des Tages unbeweglich auf ihrem Haus (auf das sie sich zuvor umständlich gehievt hatte). Wieder mit ihrer sauertöpfischen Miene und oh, siehe da, meckern konnte sie auch! Später sollte sich herausstellen, dass das ihre Kernkompetenz zu sein schien.


Fortsetzung folgt.
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tscharimari
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Re: Chewie und das Schweinderl: eine ziemlich komisch Geschichte

:lol: Herrliche Geschichte!
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Game
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Re: Chewie und das Schweinderl: eine ziemlich komisch Geschichte

*bruell*
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Re: Chewie und das Schweinderl: eine ziemlich komisch Geschichte

Octodon hat geschrieben: 7. Mär 2025, 10:17 Fortsetzung folgt.
Ich kann´s kaum erwarten :lol:
Bacardi-paula
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Re: Chewie und das Schweinderl: eine ziemlich komisch Geschichte

Ohh ja bitte in Kürze 😜😅
Wenn Du sie mit Wissen nicht überzeugen kannst verwirre sie mit Schwachsinn 🧐🫶
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Frank
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Re: Chewie und das Schweinderl: eine ziemlich komisch Geschichte

Oh ja - wie ging es weiter? :)
Derzeit bei uns und hoffentlich glücklich: Ronja und Porthos
:regenbogen: Aramis (14.11.2023), Jerry (20.12.2023), Athos (08.09.2024), Hamster Luici (23.10.2024), Valentina (25.02.2025)
Octodon
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Re: Chewie und das Schweinderl: eine ziemlich komisch Geschichte

2. Teil: Manchmal ist es komisch, was dann passiert....

Nachdem das Schweinderl nun bei mir wohnte, verbrachte ich einige Zeit mit Überlegungen, wie es mit ihm weitergehen sollte. Zu meiner allgemeinen Frustration schälten sich in den Gesprächen, die ich mit der Vorbesitzerin im Nachgang noch führte, einige Stolpersteine und Red Flags hinsichtlich Schweinderls Zukunft mit anderen Degus heraus - und ich begrub gleichzeitig endgültig den Gedanken, es bei Oni & Co zu versuchen. Und ja..... Ich sollte es mittlerweile eigentlich besser wissen. Trotzdem frustriert es mich aber noch immer wieder aufs Neues, wenn ich erfahre, was bei und mit den Tieren alles schief lief. Hier kann ich es auch wieder gut abkürzen: so ziemlich alle Punkte der NOT-TO-DO Liste wurden sorgfältig abgehakt. :(

Nun saß da also dieses bocklose Schweinderl tagein tagaus auf seinem Haus und glotzte eine ganze Weile lang nur sauertöpfisch umher - weiterhin jede überflüssige Bewegung vermeidend - und der einzige Muskel, der bei ihr rekordverdächtig zu sein schien, war der Kaumuskel. Sie aß wahnsinnig gern und wog dabei gerade mal läppische 280 g. Wie machte sie das nur? Lief sie abends vielleicht doch heimlich ihre Runden im Laufrad? Ein Schweinderl voller Geheimnisse! Und ein Quell der Freude sowieso.

Nachdem ich mehr über ihre eigentliche Herkunft erfuhr, ließ ich sie dann auf jegliches Gewürm testen (ja, ich bin mittlerweile auch jemand, der gerne die Augen vor dem Möglichen verschließt, weil ich einfach keinen Bock mehr auf den ganzen Reinigungsaufwand habe. Aber wegen Oni, die damals schon alt und etwas heikel war, ließ ich das dann doch durchführen). Was sich vollauf lohnte, denn das Schweinderl hatte sprichwörtlich den A***** voll mit allem, was geht. Ich begann mit der Entwesung und schnappte sie mir fortan so oft es ging, um sie zunächst im Bad, später auch im Flur ihre Runden drehen zu lassen. Sie fand zunehmend Gefallen daran und bemühte sich sogar ins Laufrad, das ich ihr als Extra-Motivation auch nochmal draußen hinstellte. Die ersten Runden erinnerten mich an den Schleudergang einer übervollen Waschmaschine, aber dann ging es langsam und sie fand tatsächlich mit der Zeit sowas wie Freude an Bewegung.

Nachdem klar war, dass das Schweinderl nix für die Dreiermädels war, begann ich mit der Suche nach einem Partnertier und wußte überhaupt nicht so recht, nach was ich eigentlich suchen sollte. Im November letzten Jahres lief mir dann ein kleiner Zweijähriger über den Weg (erst knapp 2 Jahre, später fast 3 - faszinierend immer wieder, wie schnell manche Tiere altern oder sich verjüngen können). Er war ein Wanderpokal und mein Leitgedanke geht bei schwierigen Vergangenheiten gerne Richtung gemischte Konstellation. Ich dachte also daran, ihn kastrieren zu lassen, wollte das Ganze aber langsam angehen lassen ob meiner reduzierten Platzkapazitäten und des Schweinderls noch laufender Entwürmung. Der Kleine war bereits vermittelt, sollte aber am besten noch zurückgehen, weil die neue Besitzerin - eine totaaaal liebe! - mit ihrer eigenen Vergesellschaftungsmethode überfordert war, die Tiere angeblich hohl drehten und die arme Tochter kurz vor dem Kollaps stand. Es begann eine Zeit des Psychoterrors, denn der Degu sollte so schnell wie möglich raus aus dem neuen Zuhause und rein ins neue Zuhause 2.0. Wieder mal dachte ich, ich sei die Premium-Bekloppte, aber selbst da gibt es Leute, die mir mühelos den Rang ablaufen....

Fortsetzung folgt.
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Elfe
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Re: Chewie und das Schweinderl: eine ziemlich komisch Geschichte

ja ja, die Designer-Schweinderl. Mein Meerschweinchen Lookalike (eine Sand-Starkschecke mit weißer Blesse) mit ihren zarten 302 Gramm hört auf den Namen Gucci, Profi im Dich-Anstarren.
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Octodon
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Re: Chewie und das Schweinderl: eine ziemlich komisch Geschichte

Elfe hat geschrieben: 8. Mär 2025, 12:52 ja ja, die Designer-Schweinderl. Mein Meerschweinchen Lookalike (eine Sand-Starkschecke mit weißer Blesse) mit ihren zarten 302 Gramm hört auf den Namen Gucci, Profi im Dich-Anstarren.
Nicht dein Ernst, Elfe! ~0 Dann werden die irgendwo im großen Stil hergestellt. Vielleicht bei Temu?

3. Teil: Manchmal ist es dann auch gar nicht mehr so ganz komisch.....

Die neue Halterin des ausgesuchten Böckchens bombardierte mich und gleichzeitig die Vorbesitzerin mit ellenlangen verstörenden Textnachrichten. Es hatte den Anschein, sie wolle dem Tier gleich den Krotzen umdrehen, wobei ich die Gesamtschilderung gar nicht so dramatisch fand: Ja, man hats halt mal wieder nicht abwarten können und ein Einzeltier mirnixdirnix mit zwei anderen Deguherren vergesellschaftet, erst war eiteitei und danach dann Haue. Dann wieder getrennt und seitdem hat (natürlich das Einzeltier) hohl gedreht am Trenngitter und die arme Tochter konnte nicht mehr schlafen, nichts mehr essen und vermutlich hätte sie dann auch bald aufgehört zu atmen. Also bekam ich täglich Stresstexte mit dem ewiggleichen verstörenden Inhalten, wie beschäftigt sie doch alle wären und sie hätten eine große Firma und müßten ja ganz viel arbeiten und wären komplett überfordert mit allem. Ja was soll ich sagen: tut mir sehr leid. :shrug:

Ende November bat mich dann die Vorbesitzerin, den Bock nun zu übernehmen. Sie könne ihn aufgrund ihrer Kinder nicht wieder aufnehmen, was ich einigermaßen nachvollziehbar fand und ließ mich weichklopfen hinsichtlich einer Übergabe des Bockes. Bei der Übergabe wurde um jeden Kilometer geschachert (obwohl ich vorher sagte, ich könne keine weiten Strecken fahren) und Geld für die Transportbox wollte man dann auch noch haben. Ich war einigermaßen erstaunt.

Manchmal kommt aber alles anders als man denkt: Am Morgen des vereinbarten Übergabetermins fand ich Oni in einem sehr desolaten Zustand auf (das war der Beginn ihrer Otitis-Episode und gleichzeitig der Anfang vom Ende). Sie hatte mir am Abend zuvor schon nicht so richtig gefallen, wirkte etwas zurückhaltender und ruhiger, aber sie war schon älter und hatte öfter mal solche Phasen, von denen ich jetzt erstmal nichts Schlimmes erwartete. Und nun das. Ich blies die Übergabe sofort ab - mit der Option auf spätere Übernahme, was natürlich auf absolutes Verständnis und Mitgefühl stieß (nicht).

Oni genas dieses Mal noch und der Bock ging erstmal zurück zur Vorbesitzerin. Diese führte einen Giardien-Test durch, der positiv ausfiel. Ich bekam noch mit, dass sie mit der Behandlung begann, hat ihn dann aber in der Zeit wohl schon anderweitig vermittelt. Das war mir recht, da mir mit der Zeit zunehmend Zweifel kamen, ob das mit der Kastration und allem drum und dran so eine gute Idee wäre. Das Universum befand: Nee, ist es nicht. Lass mal anders regeln den Kram. So nahm ich im Laufe des Dezembers die Suche nach einem Partnertier für das Schweinderl wieder auf.

Das Schweinderl war zwischenzeitlich sein Gewürm los und zog in ein Terrarium, das ich irgendwann im November bei Kleinanzeigen fand und in der Zwischenzeit sukzessive gepimpt hatte. Nachdem sie parasitenfrei war, durfte sie auch im sakrosankten Dreiweiberkosmos (mein Zimmer) herumlaufen, was kein Problem für die anderen darstellte - also hinsichtlich des Geruchs. Ihr Gewicht ging ein bißchen runter und sie baute etwas Muskulatur an den Schultern auf. Sie wirkte agiler und auch etwas fitter, aber ihre rechte Hüfte ist auffällig und nach wie vor auch ihr Urin. Als ich das erste Mal testete, stand sie kurz vor Diabetes (nicht wirklich überraschend), das konnte ich nochmal etwas zurechtbiegen. Aber ihre Leber und Nieren arbeiten scheinbar nicht (mehr) so richtig gut. Ich habe tatsächlich die Befürchtung, dass das Schweinderl kein Rekordalter erreichen wird. Vermutlich hätte sie in ihrem vorherigen Zuhause nicht mal ihren vierten Geburtstag im Juli erlebt (no offense, es ist einfach nur eine sehr realistische Vermutung).


Die Suche nach einem Partnertier gestaltete sich sehr schwierig. Alle infrage kommenden Tiere waren bereits vermittelt oder reserviert. Aber dann geschah ein kleines Weihnachtswunder.....

Fortsetzung folgt.
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Elfe
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Re: Chewie und das Schweinderl: eine ziemlich komisch Geschichte

Octodon hat geschrieben: 9. Mär 2025, 10:33 Nicht dein Ernst, Elfe! ~0 Dann werden die irgendwo im großen Stil hergestellt. Vielleicht bei Temu?
Werden sie hier in der Gegend sogar... Degus aus einer bestimmten Zoohandlung zeichnen sich dadurch aus, dass sie alle am oberen Ende der Größenskala angesiedelt und Menschen gegenüber sehr freundlich eingestellt sind. Zumindest hätte ich noch kein Tier aus der Quelle getroffen, wo das nicht zutrifft.
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