Abzess - Zahnprobleme Terminalgebiss?

Fragen und Antworten zum Thema Degu-Gesundheit
Forumsregeln
Wichtig: Das Forum ersetzt niemals einen Tierarztbesuch! Bedenkt, dass die meisten hier Laien sind, Antworten dauern können und zudem eine Ferndiagnose kaum möglich ist.
Werft bitte vor einem Beitrag einen Blick in unseren Thread mit wichtigen Hinweisen und weiterführenden Links und nutzt ggf. auch die Suche-Funktion. Die Beiträge der Forenteilnehmer entsprechen nicht zwingend der Meinung des Moderatorenteams bzw. der Betreiber.
Benutzeravatar
Chris
Beiträge: 313
Registriert: 24. Apr 2022, 15:35
Postleitzahl: 63329
Land: Deutschland

Re: Abzess - Zahnprobleme Terminalgebiss?

Hi Nila, wir haben uns im Kreise erfahrener Deguhalter über deine Problematik unterhalten. Ohne dass ich den Anspruch erheben wollte, die Anderen komplett zu repräsentieren, möchte ich versuchen, ein paar Details klarzustellen. Dabei will ich keinem vorher gepostetem Beitrag widersprechen. Vorab aber der Hinweis auf unsere Seite zu Zahnproblemn, falls du die nicht schon kennst: https://deguhilfe-sued.de/info/infomate ... bei-degus/
In den vorhergehenden Beiträgen wird von diversen DHS-Aktiven (Sabine St., Friday, Dalo) vom Zähne schleifen geschrieben. Das ist insoweit zu ergänzen, dass alle Genannten schon Degus mit retrogradem Zahnwachstum hatten, sie beziehen sich also schon direkt auf deine Problematik.
Generell kannst du durch die Ernährung einen gewissen Einfluss auf den Fortschritt der Krankheit erzielen, speziell die Fütterung mit Frischfutter empfehlen wir, siehe https://deguhilfe-sued.de/info/frischfutter/. Je mehr die Zähne durch das Knabbern der Nahrung abgeschliffen werden, desto weniger muss das Tier zum Zahnarzt. Durch das Kürzen der Zähne können sie nach außen, also in die richtige Richtung wachsen. Gibt es hingegen einen ständigen Gegendruck durch zu lange, also nicht gekürzte Zähne, setzt sich das retrograde Wachstum fort. Das führt dann dazu, dass die Atemwege verlegt werden können und schlimmstenfalls wachsen Zähne im Oberkiefer bis ins Gehirn bzw drücken darauf. Bei Atemwegproblemen beginnt das Fellchen dann immer schwerer zu atmen. Wenn das Tier "zieht", also mit Atemgeräusch und offenem Mund atmet, sollte man dringend darüber nachdenken, es erlösen zu lassen, Ersticken ist kein schöner Tod. Bei Hirnschädigungen können die motorischen Fähigkeiten beeinträchtigt werden, was z.B. als im Kreis laufen sichtbar wird.
Allerdings haben wir in über 15 Jahren und bei mehr als 50 Degus schon Tiere gehabt, die trotz des retrograden Wachstums sehr lange durchgehalten haben, bei guter Lebensqualität, vgl. auch die Beiträge von Sabine und DaLo. Das ist aber leider nicht vorhersehbar.
Zur Narkose: Die meisten von uns erfahrenen Deguhaltern bevorzugen stark eine Gasnarkose, im besten Fall "kurz angasen, Zähne machen, fertig..." (vorher Schmerzmittel gegeben, Gasnarkosen schalten das Schmerzempfinden nicht aus). Wenige Minuten später ist ein sonst fitter Degu oft schon wieder weitgehend wach.
Gegenbeispiel: eine schwache Degudame trifft auf eine TÄ, die nur Injektionsnarkosen macht. Mangels Alternative wird das so durchgeführt, das Tier kommt mit der Aussage zurück "sie ist wach, wohlauf, aber hat noch nicht gefressen, aber das bekommen Sie ja hin als Erfahrene...". Einen Tag später ist die Degudame tot, sie war immer nur völlig platt und hat trotz intensivster und erfahrendster Bemühungen nichts mehr zu sich genommen. Das haben wir leider kürzlich gehabt.
Ggf. kannst du mal schauen, ob sich deine Tiere besonders aufregen, wenn sie beim TA sind. Wenn noch nicht gemacht, könnten Begleittiere die Situation verbessern, das musst du aber im Einzelfall entscheiden. Wenn aus einem aufgeregten Tier zwei werden, hast du m.E. nichts erreicht. Zudem kann man die TÄ fragen, ob ein möglichst kurzer Aufenthalt und ebenfalls eine kürzestmögliche Narkose machbar sind. Je nach Menschenbezug habe ich auch schon kleine Patienten bei mir auf dem Bauch gehabt, um die Temperatur des Tieres zu halten.
Zuchtlinien bzw. genetische Linien: um es kurz zu machen, kann man nicht von einem Tier aufs andere schließen. Wir haben Tiere aus einer schlimmen Haltung, alles Inzesttiere. Unsere 7 sind alle OK, andere Halter, die Tiere aus der gleichen Vermehrung haben, klagen über sehr viele Krankheiten und Todesfälle. Das was Elfe zu Zuchtlinien schrieb halte ich für äußerst zutreffend.
Wenn du möchtest können wir gerne telefonieren, schreib mir ggf. eine PN dazu.
Kommt der Veterinär zum Hausarzt. Der fragt: "Wo fehlt's uns denn...?". Darauf der Veterinär: "Na, so ist es ja einfach..."
Antworten