Huhu,
Wenn auch das Thema schon älter ist, finde ich die aufgegriffenen Themen und Beobachtungen sehr interessant.
Eines möchte ich mal in den Mittelpunkt stellen, wenn wir von Degus sprechen, ist es gut und wichtig zu wissen, wie Degus leben. Dazu findet man viel in der Literatur, aber auch eigene Beobachtungen sind wichtig, da sie Individualitäten und mögliche Ungenauigkeiten oder Falschinfos enttarnen können, und da habe ich doch ein paar Dinge gelesen, die man differenzieren sollte und wo wir teilweise auch schon diskutiert haben.
"Degus buddeln gerne"
Das scheint eine individuelle Sache zu sein. Ich hatte bei den meisten Gruppen Spezialisten, die gerne buddelten und obwohl bei mir überwiegend gerne Gebuddelt wurde, konnte ich Unterschiede feststellen. Ich meine zudem auch schon gehört zu haben, dass es Degus gäbe, die kaum buddeln.
"Degus laufen gerne und klettern nicht"
Das ist so Unsinn, auch wenn es tatsächlich Studien gibt, die den Degus schlechte Kletterfähigkeiten bescheinigen im Vergleich zu anderen chilenischen Kleinsäugern, so ist die Realität doch die, dass sie sehr wohl klettern, in Wildnis wie auch in Menschenobhut.
Was das Laufen angeht, sollte man bedenken, dass Degus in der Wildnis Strukturen und feste Wechsel haben. Das Konzept von offenen Flächen, sagen wir Wiesen, über die sie vergnügt hüpfen, ist falsch. Sie suchen Schutz vor Feinden und bevorzugen daher zum Beispiel Röhren, aber auch erhöhte Strukturen, die Aussicht bieten. In der Wildnis bauen sie zudem in ihren Wechseln bei längeren Wegen zwischendurch kleine unterirdische Fluchttunnel, damit sie es nicht zu weit zum nächsten Versteck haben.
Insofern erstaunt es also nicht, dass 20qm Terasse die Degus alleine nicht glücklich macht und sie die Nähe von Strukturen wie Stühle etc suchten.
Das Springen von Plattform zu Plattform entspricht ebenfalls der Anpassung an ihren natürlichen Raum, kommen Degus in felsigen Gebieten vor, wo es sinnvoll ist, wenn sie von Stein zu Stein oder Fels springen können.
Thema Fallhöhe
Das wurde all die Jahre immer wieder mal kontrovers diskutiert. Was immer wieder vergessen geht, dass weniger die Höhe alleine, sondern die Beschaffenheit des Untergrundes und die Gestaltung eine Rolle spielt. Die Gefahr für Unfälle sollte man minimieren. Ein gewisses Restrisiko lässt sich aber letztlich nicht vermeiden.
Thema Kunststoff
Das wurde hier jetzt recht unspezifisch diskutiert. Problematisch sind weiche Kunststoffe, die Weichmacher enthalten. Da gehören natürlich auch so Dinge wie Tischtücher dazu. Harte Kunststoffe, wie z.B. Kunststoffrohre sind grundsätzlich weniger problematisch, auch wenn vielleicht die Gummidichtung als Gefahrenquelle bedacht werden sollte. Natürlich kann man vorsichtshalber alle Kunststoffe ablehnen, da man aber gut unterscheiden kann zwischen weichen und harten Kunststoffen, wäre es sinnvoller, diese Unterscheidung zu machen und zumindest darauf hinzuweisen.
"Käfigplatz gut nutzen" / Thema Abwechslung und neue Wege
Auch hier sehe ich eine sinnvolle Strukturierung im Zentrum. Was viele Leute nicht wissen, dass Degus gerne handdicke Äste nutzen, wenn man sie waagrecht montiert, vielleicht etwas erhöht und nicht allzu exponiert.
Beim Thema Abwechslung ist es erst mal korrekt, dass es auf das Bedürfnis der Tiere ankommt. Ältere Tiere brauchen wohl eher vertraute Strukturen, die sich nicht ändern, wenn sie noch blind sind erst recht. Jüngere und fitte Tiere schätzen dagegen sehr wohl etwas Abwechslung, und wie ist es in der Natur? Die Degus haben ein Territorium um ihre Baue, das sie viel nutzen und sich wenig ändert. Daneben gibt es Bereiche, die weiter entfernt sind und mal erkunden sie diese und mal jene Region. So gesehen könnte man ihnen wohl schon vielleicht 30-50% variable Gebiete und 50-70% relativ konstant bleibende Gebiete anbieten. Die Zahlen können variieren, ausprobieren, beobachten und Erfahrungen sammeln erwünscht.
Thema Futterneid
Das meiste wurde zwar gesagt, aber ich habe eigentlich mit verstreuen auch gute Erfahrungen gemacht, bzw ich nutzte mehrere flache Steine, auf die die Staaten kamen. Grünzeug gab es als Haufen irgendwo im Gehege. Futterneid gab's schon auch zwischendurch, aber weniger ein Problem als mit Näpfen.
Jeanne hat geschrieben: 28. Jan 2018, 11:21
Liebe Annika,
vielen Danke für deine Antwort und deine Gedanken bzw. Erfahrungen. Ich schätze den Austausch sehr und überlege es mir mit dem Plastikrohr erneut, jedoch bin ich schwer geneigt eins ihrer Lieblingsstücke aus dem Käfig zu entfernen nur weil es eine Gefahr darstellen könnte, sie aber seit über 2 Jahren (Umzug in andere Wohnung), nicht mehr präsent war. Aber ich denke nochmal darüber nach.
Zu dem Thema Käfigbau finde ich es schade, dass du mir Bilder und Hinweise zu einer Andersgestaltung gibst, aber nicht fragst wie ich dazu gekommen bin: schwarz/weiß. Ich möchte dir oder auch den anderen deshalb erzählen warum ich anderer Meinung bin: Zu Beginn meiner Deguzeit habe ich viel gelesen, in Foren in Büchern, etc und habe mich an die Empfehlungen gehalten.
- "Degus buddeln gerne" - also haben sie mehrere Monate diverse unterschiedliche Arten an Einstreu (mal höher, mal flacher, diverse Materialien, etc). Das komplette Aquarium war nur zum Buddeln gedacht - doch auch Monate später (und übrigens auch heute noch!) Buddeln die Beiden nicht. Es interessiert sie nicht! Wenn ein wenig Einstreu vor etwas liegt, dann wird es weggeräumt, das ist dann aber auch schon alles. Also habe ich damit aufgehört. Selbst Nüsse etc. werden in Plattformen oder Ecken versteckt, selten in der Buddelstreuschicht.
- "Degus laufen gerne und klettern nicht": Egal wann ich meinen Degus Lauffläche anbiete, sind sie fast ausschließlich damit beschäftigt zu klettern oder zu springen. Beispiel: in meiner alten Wohnung hatten sie eine 20qm Dachterrasse zum Laufen. Doch nachdem sie alle Ecken beschnuppert hatten, waren sie nur damit beschäftigt auf die Stühle, Tische, Hängematte, Stützgerüste etc. zu klettern. Sie fanden es eher spaßig von Tomatenpflanze zu Tomatenpflanze zu klettern oder zu springen, oder sich an den Rankengittern hochzuhieven anstatt auf dem Boden herumzulaufen. Wenn ich die Beiden suchte, waren sie nie auf dem Boden, sondern immer irgendwo drauf. Das gleiche in meiner Wohnung, anstatt über den Boden zu laufen, klettern sie an den Möbeln empor, springen auf Eimer, erklimmen die Wäschekörbe etc. Die Außenkäfige bspw. besitzen große Laufflächen - völlig unnötig, sie nutzen nicht die Laufflächen oder Rampen, sie springen lieber von Plattform zu Plattform. Und auch im Innenkäfig könnten sie über leichte Absätze (bis 5cm) überall hinlaufen - sie nutzen es nicht. Also biete ich ihnen lieber mehr Fläche zum Klettern und Springen an, denn wenn ich sie beobachte tun sie das weitaus lieber und freiwillig, anstatt zu laufen. Wenn sie wollen oder älter werden, können sie weiterhin jede Plattform über laufen erreichen. Das hier geschilderte muss nicht repräsentativ sein und für alle Degus gelten, doch ich beobachte lieber meine eigenen Tiere und entscheide dann was ich tue auf dem Hintergrund was ich sehe. Übrigens sind die Lieblingsaufenthalte meiner Degus die höchsten Plattformen nicht die unten.
- "sie können herabstürzen, die Fallhöhe sollte nicht höher wie 50cm sein". Ja gebe ich dir Recht. Darf ich deswegen auch kein Kind auf den Spielplatz schicken weil es abstürzen könnte?! Ja es kann immer etwas passieren, ja sie können sich verletzen, doch jedes Lebewesen hat eine eingebaute Angst vor Höhe und stürzt sich nicht freiwillig an etwas herunter. Ich klettere in meiner Freizeit - will ich runterfallen? Nein! Wollen meine Tiere runterfallen: nein! Und sie tun es nicht, ich lasse ihnen die Wahl und die Freiheit das zu tun was sie wollen. Gibt es in der freien Wildbahn etwa Sicherungsseile oder Geländer? Nein auch dort können sie sich verletzen. Doch wenn sie damit großwerden sehe ich da absolut nichts verwerfliches. Sie kennen die Gefahr und die Höhe. Ich kann bspw. ohne Probleme die Tür zum Käfig offen lassen (80cm Höhe), beide springen oder fallen NICHT raus. Wie schon bereits beschrieben seilt sich Whity nur irgendwann ab, deswegen habe ich mittlerweile auch wieder Käfigtüren.
- "Käfigplatz gut nutzen und vollbauen". Ja und nein. Die Außenkäfige haben viele und große Plattformen, doch ich habe dadurch keine Chance etwas einfach zu variieren. Im Innenkäfig kann ich durch die "Platzverschwendung" super einfach neue Formen, neue Wege etc. bauen. Ich habe beobachtet, dass wenn ich die Käfig alle 2 Wochen umstelle die Kabberfrequenz abnimmt d.h. nach 2 Wochen knabbern sie sehr viel mehr, häufiger und ausgiebiger. Vielleicht hast du, oder die anderen, Tipps wie man in einem starren, vollgebauten Käfig viel Abwechselung bieten kann? Wie schafft ihr es Wege zu blockieren, zu zerstören, sodass die Degus (wie in der freien Natur) gezwungen werden sich neue Wege auszudenken, neugierig zu sein, neue Dinge zu entdecken?
Liebe Grüße Jeanne
Ps. Das was ich schreibe mag nicht allgemeingültig sein, doch es sind meine eigenen Beobachtungen und Erfahrungen die ich gemacht habe.