(Über-)Diagnostik bei Degus

Fragen und Antworten zum Thema Degu-Gesundheit
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Octodon
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Re: (Über-)Diagnostik bei Degus

DaLo hat geschrieben: 12. Feb 2022, 19:40 Ich habe nach den weiteren Beiträgen bemerkt, dass ich eine Themaverfehlung hingelegt habe.
Überdiagnostik ist nicht Übertherapie.
Das ist okay. Denn manche Therapien wollte ich ja auch nochmal beleuchten:
Ergänzend hierzu habe ich auch noch das Thema "Fragwürdige Therapien". Das würde ich gerne zu einem späteren Zeitpunkt nochmal anschneiden.
Ich bin sehr froh, dass meine Tierärztin auch eine eher realistische Person ist, was die Diagnostik betrifft. Den einzigen Fortschritt, den es da in der Zeit - die Degus betreffend - gab, war der Umstieg von analogem zu digitalem Röntgen. Und selbst das hat bei kleinen Tieren so seine Tücken, denn die Berechnungen sind teilweise sehr ungenau. Dummerweise häufig direkt am neuralgischen Punkt, so dass man da mitunter einiges an Spökenkiekerei betreiben muß dahingehend, wie "Computer" das jetzt wohl gemeint hat.
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sam.lowry
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Re: (Über-)Diagnostik bei Degus

Octodon hat geschrieben: 12. Feb 2022, 19:32Aber ich bin sicher, dass es - aus Sicht der Tiere - so einiges gab, was ich persönlich als nicht so schlimm ansah, dem Tier aber ziemlich zu schaffen machte. Ganz sicher sogar.
Was meinst du hier konkret?
Octodon
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Re: (Über-)Diagnostik bei Degus

.... ich hatte irgendwie das Bedürfnis, diesen Thread nochmal aus den Untiefen des Forums hervorzukramen. Ich denke, es ist ein nach wie vor wichtiges Thema, mit dem es sich immer mal wieder auseinanderzusetzen lohnt. Da der Thread mit einer unbeantworteten Frage meinerseits sein vorübergehendes Ende fand, will ich die Beantwortung heute nachholen:

Das bezog sich nicht auf Überdiagnostik, sondern eher sich im Nachhinein als eher unnötig herausgestellte Tierarztbesuche und damit verbundenem Stress für das Tier. Aber das ist leider die Crux an der Sache: häufig weiß man es halt erst später, und so kann man sich lediglich mit einem Mix aus Erfahrung und Bauchgefühl an akute Situationen herantasten.
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DaLo
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Re: (Über-)Diagnostik bei Degus

Hallo,

ich habe ja leider reichlich Zahnpatienten, bei denen auch keine langfristige Besserung in Sicht ist.
Ich muss bei diesen immer wieder und sehr oft daran denken, dass im alten Forum und/oder auf Degupedia Diskussionen aufkamen, ob es sinnvoll ist, ein Nagetier mit massiven nicht dauerhaft korrigierbaren Zahnproblemen tatsächlich "durchzuschleppen". Es gab damals natürlich keine abschließende Meinung und wird es nie geben, aber es kreist immer und immer wieder in meinem Kopf herum, ob das, was ich da auf mich und die Tiere nehme, so prickelnd ist.
Ich sehe die Mäuse in ihrer Gruppe kuscheln und aktiv sein und augenscheinlich ganz lustig drauf und denke, dass das genug Anzeichen sind, dass sie sich ihres Lebens erfreuen.
Dann bekomme ich beim nächsten Tierarztbesuch wieder erzählt, wo überall Zahnspitzen reingespießt haben (autsch :( ), die Backe hier und da offen ist, die Zunge verletzt ist (jeder weiß, wie fies das weh tut), dass die Zähne locker sind, dass das Zahnfleisch "matschig" ist, aber das Röntgenbild noch nicht ganz so vernichtend ist und die Schätze bekommen die nächste Behandlung, die nächsten Tage Schmerzmittel und die nächste Sonder-Zufütterung und so dreht sich der Kreisel. In meinem Kopf, beim Gewicht und bei den wiederkehrenden Behandlungen.

Ich suche Vergleiche mit chronisch kranken Menschen, die trotz gesundheitlicher Einschränkungen und Schmerzen auch Lebensfreude haben können und hoffe, dass das auch auf die Tiere zutrifft und werde - dessen bin ich mir inzwischen bewusst - nie den Tag erleben, an dem ich die Erhellung habe und auch nur annähernd weiß, was gut, richtig und vertretbar ist.

Liebe Grüße
Dagmar
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Re: (Über-)Diagnostik bei Degus

DaLo hat geschrieben: 28. Nov 2023, 20:37
Ich muss bei diesen immer wieder und sehr oft daran denken, dass im alten Forum und/oder auf Degupedia Diskussionen aufkamen, ob es sinnvoll ist, ein Nagetier mit massiven nicht dauerhaft korrigierbaren Zahnproblemen tatsächlich "durchzuschleppen"
Das ist doch eine Grundhaltung, die da diskutiert wurde. Manche Tierhalter sind fatalistisch, andere versuchen alles (diagnostisch und therapeutisch) möglich zu machen, um ihr Tier bei Gesundheit zu halten. Und beide werden von sich behaupten, dass sie tierlieb sind. :shrug: Und wie so oft ist es für mein Empfinden das gesunde Mittelmaß, das zählt. Aber wo beginnt es, wo endet es?
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Re: (Über-)Diagnostik bei Degus

Ihr habt das mögliche Handlungsfeld und die inneren Konflikte für uns Menschen ganz toll beschrieben. Danke dafür. Aufgrund der rasanten Verschlechterung zweier meiner Degus - meinem multimorbiden Sowieso-ständig-Sorgendegu Bogdan und meinem eigentlich quirligen Bartleby, dessen Abbau auf eine Herzveränderung zurückgeführt wird - habe ich mir viele Gedanken gemacht. Ich war teilweise ziemlich am Rand meiner Belastbarkeit. Was mir sehr hilft: dass die Tierärztin die Verfassung der beiden als palliativ einschätzt und es nicht um Behandlung, sondern um Lebensqualität geht.

Vor ein paar Wochen wäre ich erleichtert gewesen, wenn sie gestorben wären. Dann war ich erleichtert zu wissen, dass die Ärztin sie umstandslos "gehen lassen" würde, wenn es ihnen zu schlecht geht. Aber ich bin froh, dass ich es ausgehalten habe und über MEINE Schmerzgrenze gegangen bin, denn mittlerweile hat sich in mir (obwohl ich noch nie einen Degu "verloren" habe) ein sicheres Grundgefühl breitgemacht: Die Jungs werden zeigen, wenn's nicht mehr geht.

Meine persönlichen Maßstäbe und das, was ich aushalten kann, haben sich besonders durch Bogdans Lebenswillen verschoben. Meine Maßstäbe kann ich an ihn nicht anlegen, das wird ihm nicht gerecht. Bei Bartleby könnte das vielleicht anders aussehen, ich weiß es nicht.

Was mich gerade noch trauriger macht als mein langer Abschied von meinen liebgewonnenen Mäusen ist Mörschel, der Dritte im Bunde, der bald nach sechs Jahren seine Brüder verlieren wird. Die Krankheit der beiden anderen bringt ja sowieso Unruhe und Unsicherheit in die Gruppe. Wenn ich daran denke, dass mein verschrobener Mörschi seine Brüder verlieren wird, bricht es mir das Herz. Für Bogdan und Bartleby kann ich in gewisser Weise viel mehr tun als für Mörschel, der die Welt nicht mehr verstehen wird.

Falls das hier also jemand mit einem großen Herz und Haltungserfahrung lesen sollte, der im neuen Jahr einen 6-Jährigen aufnehmen kann... oder vielleicht mit der Deguhaltung neu beginnen möchte und mit Mörschel eine große Voliere und ganz viel tolles Equipment in HH und Umgebung übernehmen möchte (natürlich geschenkt!), kann sich gerne jederzeit bei mir melden und sich alles hier mal angucken.
Octodon
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Re: (Über-)Diagnostik bei Degus

sam.lowry hat geschrieben: 23. Dez 2023, 19:36
Was mich gerade noch trauriger macht als mein langer Abschied von meinen liebgewonnenen Mäusen ist Mörschel, der Dritte im Bunde, der bald nach sechs Jahren seine Brüder verlieren wird. Die Krankheit der beiden anderen bringt ja sowieso Unruhe und Unsicherheit in die Gruppe. Wenn ich daran denke, dass mein verschrobener Mörschi seine Brüder verlieren wird, bricht es mir das Herz. Für Bogdan und Bartleby kann ich in gewisser Weise viel mehr tun als für Mörschel, der die Welt nicht mehr verstehen wird.
Ich kann das voll und ganz nachvollziehen, da ich schon oft solche Situation erlebt habe. Daraus habe ich eins gelernt: es kommt fast immer anders, als man denkt - und alle Gedanken, die man sich vorher gemacht hat, waren deshalb fast komplett umsonst.

Aus diesem Grund mag ich dir raten: genieße die Zeit mit deinen drei Kleinen und versuche, im Hier und Jetzt mit ihnen zu sein und zu bleiben, sprich: schau nicht zu weit in die Zukunft, und im Falle eines Degus wäre das nicht länger als ein paar Wochen voraus.

Ich drück die Daumen, dass due die drei noch lange bei dir hast und sie dir noch viele schöne Momente bescheren.

Alles Gute für euch und ein schönes Weihnachtsfest :)
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