Teil 4a: Sonderausgabe "Schweinderl"
Da ich momentan eh nichts weiter kann als dumm rumzusitzen und meinem Knochen beim Heilen zuzuschauen (also vor meinem geistigen Auge natürlich, alles andere wäre ein bißchen cringe

), nutze ich die Zeit so sinnvoll wie es geht und bespaße euch (und besonders
@Elfe 
) mit einer Sonderausgabe über das Schweinderl:
Dass Coco eine besondere Marke ist, war mir schon relativ früh klar. Allerdings sprach ich das seinerzeit noch den nicht sehr schönen Umständen zu, denen sie kurz zuvor noch ausgesetzt und mit denen sie gannz offensichtlich überfordert war. Heute weiß ich nicht genau, was davon noch von damals geblieben und was ganz einfach schon immer ein Feature von ihr war.
Am Anfang stand ihre besonders auffällige Bewegungsunlust im Focus. Stundenlang saß sie auf ihrem Haus und glotzte. Und sie hat ihn auch, diesen besonderen Blick. Manche Degus haben ihn. Bei meinem aktuellen Besatz haben ihn drei von vieren: die (ehemals) drei Spaichingerinnen und das Schweinderl. Chews Augen hingengen funkeln immer gleich fröhlich-unternehmungslustig. Der Blick der anderen ist intensiv-stechend und zum Teil auch argwöhnisch. Tatsächlich wurde das auch schon von anderen Menschen unabhängig von meinem Empfinden festgestellt. Also muß wirklich was dran sein.
Charakterlich ist sie die Geschmacksrichtung
bockstur extra trocken. Wir hatten es schon so, dass ich sie bitten bis anflehen mußte, damit sie für den (von ihr heißgeliebten!!) Freilauf in die Papprolle geht. Denn Anfassen ist .... an geraden Tagen, wenn der Mond im rechten Winkel steht: ja, an anderen Tagen randomly janeinvielleicht. Meistens so ein hmvielleichtneinoderdochja. Oder einfach nur:
Eh. Was willst du von mir?!
Oft ist es auch ein:
Also ich will jetzt raus, verp**** dich, denn ich will entspannt auf dem schmalen Schienengrat der Terrarienfront balancieren, und weil ich ja so ein Extra Körperklaus bin, ist die Wahrscheinlichkeit natürlich hoch, dass ich mich zu Tode stürze. Aber hey, ich liebe das Risiko, und außerdem schmeckt "Melodie der Anmut" (Name der Alpina Farbe, in der die Front gestrichen wurde) sooo gut, dass ich davon natürlich immer noch einen extra Bite nehmen muß auf dem Weg nach unten.
Ja ok. So denkt sich das Schweinderl das in seiner kleinen Nagerschaltzentrale, aber der böse Mensch macht ihr da stets einen Strich durch die Rechnung. So kommt es nicht selten zu einem Mexican Standoff mit nur zwei Gegnern

Meistens gewinne ich, indem ich sie mir doch einfach schnappe und sie unter lautem Protestgezeter aus dem Terra hole oder wenn es mir zu blöd wird, schiebe ich ihr die Scheibe vor der bunten Nase wieder zu. Sie steht mit dann doch tränenfeuchten Augen, beide Pfoten ans Glas und schluchzt vor sich hin, wenn sie sieht, wie die fröhliche Chew (die problemlos auf die Hand schlüpft) ratternd ihre Runden dreht. Mein Mitgefühl hält sich in dem Fall aber ehrlichgesagt in Grenzen.
Ähnliches Prozedere haben wir beim Einfangen und Zurücksetzen ins Gehege. Wenn sie sieht, dass ich nach geraumer Zeit mit der Leckerliebox komme, um sie zu locken, ist die Schleichfahrt der U96 nichts dagegen. Das Schweinderl kann in solchen Fällen zu einem Schatten ihrer selbst werden, damit ich sie bloß nicht locken und FANGEN kann! An manchen Tagen, wenn ich sie müdegespielt habe, kommt sie auch mal freiwillig auf den Schoß und läßt sich nach Hause bringen. Aber wenn ich mich nur auf diese Situationen verließe, würde das Schweinderl nur an maximal 3 Tagen in der Woche sein Gehege sehen (und meine Bude sich in einem entsprechenden Zustand befinden).
Das selbstbestimmte Schweinderl entscheidet also alles selbst. Naja. Manchmal zumindest. Also ab und zu. Früher mehr als heute, denn seit Chew mit ihr lebt, spielt das Schweinderl in dieser ungleichen Zweier-WG ganz klar nicht die erste Geige.
Aber so zu tun als ob ist ja auch eine Option.
Gleichwohl ist Coco diese Art von Degu, die sofort in eine Kraulstarre verfallen und am liebsten alle Viere von sich strecken möchten, wenn sie ein Finger berührt. Stundenlang kann man sie kraulen. Damit hat sie überhaupt kein Problem. Manchmal nutze ich das aus, indem ich sie mir schnappe, wenn sie sich in der Kraulstarre befindet.

Natürlich wird dann umso lauter gemeckert, wenn sie es merkt. Aber das nächste Mal reißt sie trotzdem wieder ihre Vorderbeine hoch und knickt den Kopf um 90° nach hinten. Vielleicht ist sie doch nicht so schlau- oder aber noch viel opportunistischer als ich dachte.
Coco erinnert mich von ihrem Wesen sowas von an die alte Malteserhündin, die mein Ex mit in die Beziehung brachte. Die hatte genau dieselbe Art. Vielleicht ist Blümchen in Coco reinkarniert, um mich erneut zu prüfen.

Ich weiß es nicht. Aber möglich wäre es. Wirklich. Es ist zu verblüffend.
Trotzdem wabert über dieser ganzen lustigen Schweinderlei eine große dunkle Wolke. Sie ist nicht fit und sie wird aller Voraussicht nach nicht sehr alt. Ich bin mir mittlerweile ziemlich sicher, dass ihre Nieren weitestgehend den Dienst quittiert haben und was mit ihrer Leber ist, ist auch nicht so ganz klar. Ich tu freilich mein bestes, um sie auf Kurs zu halten, aber aller Voraussicht nach wird das wieder ein Degu auf Durchreise sein. So ähnlich wie Bobby. Eine Supernova.
Aber naja. Wollen wir mal nicht allzu schwarz sehen und freuen uns auf den nächsten Teil von C&C
